Wenn Klimaangst unreife Früchte treibt

von Hans Baum

Durch andauerndes Berichten von Angst schürenden Phänomenen hat man das Kohlendioxid fürchten gelernt, denn Aussagen werden offensichtlich durch mediale Wiederholung wahr. Die physikalischen Effekte, die das Gas CO2 auf den Wärmegehalt der Erdatmosphäre ausübt, sind hinreichend bekannt. Ob aber die verfügbaren Stoff- und Energiebilanzen aller Treibhausgase hinreichend genaue Berechnungen der Dynamik des Weltklimas ermöglichen und die beobachteten Klimaveränderungen hauptsächlich darauf zurück zu führen sind, wird auch weiterhin aus guten Gründen strittig bleiben, denn wer zur Erklärung nach Korrelationen sucht, findet auch 1000 andere Gründe. Wissenschaftliche Faktenlagen entziehen sich Mehrheitsbeschlüssen und werden durch Wunschvorstellungen oder Angstpsychosen nicht verändert.

Es darf bezweifelt werden, dass die derzeit in der politischen Diskussion befindlichen Subventionsmaßnahmen zur Entwicklungen von Technologien zur Senkung der von Menschen verursachten CO2-Freisetzungen geeignete Anstöße für die nächsten Jahrzehnte erzeugen können. Die unfreiwilligen Verringerungen des Energieverbrauchs und der stofflichen Emissionen aufgrund der Covid-19 Shutdowns führen uns vor Augen, welche Finanzvolumen mit derartigen Veränderungen zusammenhängen, abzulesen am Rückgang der Volkswirtschaften.

Der „Green Deal“ der Europäischen Union soll jetzt zusammen mit den  enormen finanziellen Unterstützungen für die am stärksten betroffenen EU-Staaten zum Umbau der Wirtschaft genutzt werden. Ebenso sollen die staatlichen Förderungen der Bundesregierung nachhaltige, zukunftsfähige Prozesse und Technologien finanzieren.

Nehmen wir den „grünen Stahl“, der als Modellverfahren für Wasserstofftechnologie entwickelt werden soll, obwohl alle Fachleute wissen, dass dieser Prozess der Stahlerzeugung noch längst nicht praxistauglich ist, viele Jahre und Milliarden Euro Entwicklung kosten und zu sehr viel teureren Produkten führen wird als Stahl aus klassischen Hochöfen. Stahl ist eine Legierung aus Eisen und geringen Mengen Kohlenstoff. Es bedarf einiger technischer Prozesse, um vom Eisenerz (und der Kohle) über Zwischenschritte zum gebrauchsfertigen Stahl zu kommen. Eine Tonne Stahl enthält dabei etwa 20 kg Kohlenstoff (etwa 2%). Die Produktion einer Tonne Stahl erzeugt indes 1 Tonne CO2. Weniger als 10% des anteiligen Kohlenstoffs werden also im Stahl legiert, über 90% entweichen nach Reduktion der Eisenoxide und Verbrennung als CO2. Die Wärme wird benötigt, um das Metall flüssig zu halten und zu verarbeiten. Bei „grünem Stahl“ wird versucht, mit Wasserstoff die Eisenerze zu reduzieren und die Wärme zu erzeugen, um so die CO2-Bildung zu verringern. Trotzdem muss dem Prozess Kohlenstoff zugeführt werden, um Stahl zu erhalten. Wieviel CO2 schlussendlich gespart werden kann, wird die Praxis zeigen. Die Nutzung von Wasserstoff statt Kohlenstoff verändert den chemischen Prozess und die Produktqualität stark. Neue technologische Herausforderungen sind zu lösen und Stahl als Massenware wird unerschwinglich werden.

Die derzeit und in naher Zukunft über die Grundversorgung hinaus verfügbare elektrische Überschuss-Energie aus regenerativen Quellen reicht bei weitem nicht aus, um mittels Wasserstoff Stahl in relevantem Umfang zu produzieren. In den nächsten Jahrzehnten werden die Mengen an verfügbarem Wasserstoff aus regenerativer Überschussenergie so gering sein, dass man genau überlegen muss, ob der Weg im wirtschaftlichen Maßstab begangen werden kann und zu welchen (Forschungs-)Zwecken er verwendet werden soll. Weiter ist zu fragen, ob die Produktion von Wasserstoff durch elektrische Hydrolyse bei schwankenden Überschussmengen an grünem Strom eine sinnvolle Alternative z.B. zur Energiespeicherung in (österreichischen) Pumpspeichern darstellt. Trotz der vielen Vorschläge zur Nutzung von Wasserstoff, etwa als Brennstoff für Motoren, zur Synthese von Kohlenwasserstoffen (z.B. power-to-gas oder Methanol-Synthese) oder auch in der Metallurgie, werden sich Kommunen die Frage stellen, ob Wasserstofftechnologie in absehbarer Zeit bei der Ansiedlung von Betrieben in ihren Industriegebieten Berücksichtigung finden soll, da die unternehmerische Gewinnzone weit entfernt ist und steuerliche Erträge auf lange Frist nicht zu erwarten sind.